Molkenberger Förderverein e.V.
15517 Fürstenwalde /Spree

       Besucher seit 07.11.2019

Unsere Ortsgeschichte

*

Das ehemalige Landgut Molkenberg gehörte ursprünglich zum Fürstenwalder Domänen- oder Amtsvorwerk, das unterhalb der Weinberge in der Gegend der früheren "hinteren" Durinschen Töpferei lag. 
*
1822 wurden etwa 10 Morgen schlechten Ackers zum Bauplatz "bei dem Molkenberge" ausgesondert, um für die hier etwas abgelegenen Ländereien eigene Wirtschaftsgebäude zu errichten. 
*
1823 wurde das Amtsvorwerk aufgelöst und die Stadt Fürstenwalde erwarb dessen Ländereien und weitere Zugehörigkeiten, die nunmehr unter dem Namen "Bürgervorwerk" von einer städtischen Dekonomie-Deputation verwaltet wurden. Damit kam auch Molkenberg in den Besitz Fürstenwaldes. 
*
1841 fassten die Stadtverordneten den Beschluss, das ehemalige Amtsvorwerk zu verkaufen. Ein Verkauf kam 1846
zustande. Premierleutnant a. D. Wilhelm Ernst Rudolf von Schönfeld das Vorwerk wurde damit der erste Besitzer von Molkenberg. Unter seiner Verwaltung erhielt das Landgut von der Regierung zu Frankfurt 1854 als eigener Gemeindeverband Gutsbezirk die offizielle Bezeichnung "Molkenberg".

*
Von Schönefeldt verkaufte 1857 das gesamte Gut an den Rentier Friedr. Wilhelm Hinrichs aus Rostock für 130 000 Tlr. 
*
Von diesem erstand es der Gutsbesitzer Karl Heinrich Ritsch aus Gölsdorf[nbsp] 1860 für 120 000 Tlr. Als Mitbesitzer werden damals noch genannt: Pferdehändler Sadritz, Frau Konditor Rasch, geb. Martini (für das Wohnhaus), Brunnenmachermeister Heinrich Gustav Reichelt und unverehelichte Henriette Lehmann (je für eine Wiese). 
*
1864 zählte Molkenberg 6 Wohngebäude und 70 Einwohner; es gehörte gerichtlicher, polizeilicher
und kirchlicher Beziehung zu Fürstenwalde. 1865 umfasste das Gut an Gebäuden: 1 Wohnhaus mit Hof und Garten, 1 Verwaltungshaus, 1 Gartenhaus, 2 Familienhäuser, 1 Tagelöhnerhaus, 1 Ochsenstall, 1 Schafstall, 4 Scheunen, 1 Scheune bei den Kiesbergen und die Brennerei.
*
Unter der Verwaltung des Amtsmannes Ritsch vermehrte sich die Zahl der Gebäude, und wir finden 1880/81 neben dem Gutshaus, 3 Gesindehäuser (mit Schmiede), 6 Scheunen, 4 Ställe, 1 Wohnhaus mit Stall für den Brenner, 1 weiteres Wohnhaus mit Stall, 1 Ziegelofen und Ziegelschuppen in den Kiesbergen. 
*
1885 wurden das Wohnhaus (Schloss) und einige Stallungen neu gebaut. 
*
1886 ging Molkenberg über in den Besitz des Rittergutsbesitzers Paul August Josef Kiecierski zu Kamorge für 480 000 Mark.
Der neue Besitzer war der Bruder der Frau Ritsch und vergrößerte den Betrieb um 2 Wagenremisen. Andererseits veräußerte er verschiedene Länderein. Unter diesem Besitzer brannten im Oktober 1888 eine Scheune und 2 Ställe ab. Die Einwohnerzahl des Gutsbezirks Molkenberg betrug 1895: 102; 1905: 125. 

*

Am 14.12.1906 wurde ein Tausch getätigt zwischen Kiecierski und dem Kaufmann Hermann Frenzel Berlin. Ersterer stellte sein Landgut zur Verfügung gegen ein Hausgrundstück in Berlin und 3 weiteren Häusern in anderen Orten, dem Kaufmann Hermann Frenzel in Berlin gehörig. Der Tauschwert von Molkenberg und Beerfelde wurde auf 900 000 Mark festgelegt, der Wert des Grundstücks in Berlin auf 500 000 Mark. Im Januar 1907 wird Frenzel Besitzer von Molkenberg. 
*
Am 18.03.1909 verkaufte er an den Fürstenwalder Naturheilverein 84 a 30qm für 7500 Mark zur Anlegung der Schrebergärten.
In diesem Jahre kauft die Stadt Fürstenwalde das zu Molkenberg gehörige Vorwerk Hammelstall und verkaufte davon etwa 200 Morgen mit 40 Morgen Forst an die Erziehungsgesellschaft "Buschgarten", welche am 01.04.1907 darauf ihre Anstalt (Landerziehungsheim) eröffnete. 
*
Schon am 22.03.1909 verkaufte Frenzel Molkenberg und Beerfelde mit totem und lebendem Inventar (12 Pferde, 27 Jungochsen, 24 Milchkühe u.s.w.) für 510 000 Mark und die Brennerei für 40 000 Mark an den Kaufmann Otto Dorff in Berlin. Am 27.05.1909 erwirbt dieser auch den Rest des Gutes von 500 Morgen für 120 000 Mark. Durch Beschluss des Bezirksausschusses würde 1910 dem Gutsbezirk Molkenberg eine Fläche am Störitzluch aus dem Stadtbezirk zugelegt; dagegen wurde durch den gleichen Beschluss die vom Stadtgebiet umschlossenen Gebietsteile von Molkenberg unterhalb der Weinberge nach Fürstenwalde zugeteilt. 
*
Mit dem 05.12.1911 ging Molkenberg über an Siegfried von Bonin, Kammerherr von Botschow, und dessen Schwiegersohn Kurt von Rosenberg. Es umfasste damals etwa 500 ha und kostete 710 000 Mark. 
*
Am 20.02.1919 verkaufte die verwitwete Frau Luise von Rosenberg (ihr Mann war im Weltkrieg gefallen) das Gut mit sämtlichen Zubehör an den Fabrikbesitzer Gustav Cyliax in Berlin für 1,2 Millionen Mark (Anfang der Inflation). Dieser lenkte sein Augenmerk besonders auf die Haltung und Nachzucht von Milchkühen für seine Schokoladenfabrik in Berlin. Mit dem 01.10.1928 wurde das Gutsbezirk Molkenberg aufgehoben und das Gelände von etwa 200 Morgen nach Fürstenwalde eingemeindet. 
*

Am 17.08.1932 wurde das Gut von Cyliax an die "Bauernsiedlungsgesellschaft der Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine mbH in Berlin" für 450 000 Mark veräußert. Das Gelände wurde in etwa 40 Siedlerstellen aufgeteilt . Davon wurden 25 Stellen unter Benutzung der vorhandenen Gebäude errichtet und etwa 15 Siedler erhielten neue Gebäude. 1935 standen 38 Wohnhäuser, wovon 20 Zweifamilienhäuser sind. Die auf dem Gut vorhandenen gewerblichen Anlagen: Brennerei, Molkerei, Mühle, Saatreinigungsanlage u.a. wurden zu einer Genossenschaft, in der die Siedler zusammengefasst sind. Es handelt sich dabei um Anlagen, die erst in neuster Zeit mit den modernsten Einrichtungen geschaffen worden waren. Besonders die Molkerei war nach den neuesten sanitären Vorschriften hergerichtet worden, wurde aber in den letzten Jahren stillgelegt. Es wurde auch für williges Arbeitspersonal gesorgt, denn April 1934 ist das Gutshaus zu einem Reichsarbeiterlager für die weibliche Jugend umgewandelt worden. Mit Eifer verrichteten die Arbeitsmaiden ihre Arbeiten bei den Siedlern, sei es in häuslichen, gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Dingen. Die Maiden wurden den Haushaltungen zur Hilfeleistungen zugeteilt und es entwickelte sich meist ein herzliches Einvernehmen zwischen Bauern und Arbeitsmaiden. Auch in der Pflege und Erziehung der Kinder nahmen die jungen Mädchen den Siedlerinnen oft eine große Arbeit ab. 

 

So ist aus dem ehemaligen Vorwerksausbau und Landgut im Laufe von etwas mehr als 100 Jahren eine bäuerliche Stadtansiedlung geworden. Diente Molkenberg in früheren Jahrzehnten mehr oder weniger fast der Spekulation, so herrscht heute dort unter den etwa 250 Einwohnern ein neuer Geist und ernster Wille, getragen von echten Fleiß und regem Schaffen zum Wohle der Gesamtheit, das Vorbild einer echten Volksgemeinschaft.